Der errechnete Geburtstermin war der 02.10.03. Nachdem der Umzug vollzogen, das Kinderzimmer eingerichtet und der Geburtsvorbereitungskurs überstanden war, fieberten wir schon vor diesem Termin gespannt dem freudigen Ereignis entgegen.
genervt von Wehen und Paparazzi...
Die Zeit verging, doch außer ein paar Karateübungen in Mama's Bauch wollte sich das Baby nicht bewegen. Umso schwerer die Last für Birgit wurde, umso länger wurde für uns die Warterei als der Termin bereits verstrichen war. Erschwerend kam hinzu das sich Familie, Freunde und Kollegen täglich nach dem "Fortschritt" erkundigten.
Als wir dann bereits 11 Tage nach dem errechneten Termin eine erneute ergebnislose CTG-Untersuchung hinter uns hatten, kündigten uns die Ärzte an man würde die Wehen dann am kommenden Wochenende künstlich einleiten - endlich! Also fuhren wir nach hause mit der Gewissheit in 4 Tagen unser Kind in den Armen halten zu dürfen. Da ahnten wir noch nicht, daß das ein Irrglaube war denn als gegen abend (mal wieder) Wehen einsetzten gingen wir noch von Fehlalarm aus.
in der Kapelle der Klinik entzündet
der angehende Papa schon mal das
Lebenslicht für's Kind
Die Kontraktionen begannen um ca. 19.00 Uhr, doch ab etwa 0.00 Uhr krümmte sich Birgit neben mir im Bett ab und zu heftig und riss mich nach einigen Minuten aus dem Schlaf - was wirklich nicht einfach ist! Interessiert begann ich sie aufgeregt zu beobachten, doch gegen 2.00 Uhr war mir klar: "Schatz wir müssen in die Klinik". Während Birgit sich mit Mühen in ihre Sachen zwängte, bewahrte ich als Ordnungsfanatiker Ruhe und nutzte die Zeit um noch schell das Geschirr vom abend abzuwaschen und die Wohnung aufzuräumen. Das versetzte Birgit die von ihren Wehen schon ziemlich genervt war, noch mehr in Rage.
Vielen Dank an Schwester Martina
Als wir dann beide bereit waren, fuhren wir auch schon los und trafen gegen 3.00 Uhr in der Klinik ein. Nach dem CTG teilte uns die Nachtschwester mit das unser Baby heute kommen würde, doch wann war ungewiß da der Muttermund erst 1 cm geöffnet war - 10 cm müssen's sein. Sie bat uns ein paar Stündchen spazieren zu gehen. Gesagt getan - wir "spazierten" ca. 4 Stunden durch die Eingangshalle, die Kapelle und die Flure des Krankenhauses. Aber wir waren nicht allein, ein anderes Pärchen teilte unser Schicksal. Gegen 7.30 Uhr stellten wir uns erneut auf der Station vor und zu unserer Enttäuschung hatte sich der Muttermund nicht verändert. Mein Unmut wich aber schnell der diebischen Freude über das Vaterfrühstück, daß die Nachtschwester noch kurz vor Schichtende eigens für mich hatte anliefern lassen. Da Übelkeit bei Wehen eine häufige Nebenwirkung darstellt, ging Birgit lehr aus und konnte nur zu schauen obwohl auch ihr der Magen knurrte. Da ich ja kein Unmensch bin ließ ich ihr natürlich etwas übrig. Ein folgenschwerer Fehler wie sich später herausstellte.
Das Entspannungsbad
Nachdem ich das Essen vertilgt hatte, stelle sich die Schwester der Frühschicht vor und erläuterte uns das weitere Vorgehen. Als erstes erhielt Birgit ein leichtes Schlaf-und Beruhigungsmittel um fit zu sein für die kommende kräftezehrende Geburt. Zusätzlich setzte man ihr zwei Akupunkturnadeln, alles um die Geburt voranzutreiben.
Nach dieser nicht wirklich wohltuenden Phase bereitete die Schwester ein Entspannungsbad vor, welches Birgit sehr genoss und die Wehen als erträglicher empfand. Nach einstündiger Planscherei fieberten wir gespannt der erneuten Überprüfung des Muttermundes entgegen. Doch die Enttäuschung war erneut groß als uns die Hebamme verkündete das wir erst bei 2,5 cm seien. Nochmal zur Erinnerung - 10 cm sind nötig und es war jetzt etwa 13.00 Uhr - das waren 2,5 cm in 10 Stunden!!! Da war es Zeit für ein züftiges Mittagessen, welches erneut vom Krankenhaus gestellt wurde. Birgit ging wieder leer aus.
Da die wiederkehrenden Wehen Birgit's Kräfte erheblich geschwächt hatten, wurde ihr erneut das homöopatische Beruhigungsmittel verabreicht und sie versuchte auf der Liege im Kreissaal etwas zu schlafen. Mit genauso wenig Erfolg wie beim ersten mal. Als nächste Maßnahme hatte die Schwester den Wehentropf parat und damit gings dann zur Abwechslung mal verhältnismäßig schnell. Da Birgit keine schmerzstillende Betäubung (PDA) zur Abschwächung der Wehen verpasst haben wollte, musste sie die immer stärker werdenden Schmerzen wohl oder übel ertragen. Doch auch für mich als ständiger Begleiter war das eine harte Zeit, denn immer urerträglicher wurde für mich der Anblick. Birgit lag nach zwei Stunden heftigster Kontraktionen einfach apathisch da, die Augen halb geöffnet,stumm und völlig bewgungsunfähig. Da sie sich gegen jegliche Streicheleiheiten oder Tapferkeitsbekundungen von mir verwehrte, war ich zur Teilnahmslosigkeit verdammt. Längst hatte erneut die Schicht gewechselt und statt Gestöhne hallten nur noch ihre grausigen Schmerzensschreie in reglmäßigen Abständen durch die Entbindungsstation.
die Wehen werden stärker...
Gegen 17.00 Uhr erschien die Hebamme erneut zur Überprüfung des Muttermundes, stolz verkündete sie: "Es sind 8 cm". Schon bald waren es die nötigen 10 cm und dann ging erneut alles ganz schnell. Anstatt zu schreien biss Birgit die Zähne zusammen und begann unser Kind herauszupressen und ich sah es als Erster - der Kopf war da. Nach einem unvermeidbaren Dammschnitt zeigte sich dann auch der Rest des Körpers und meine tapfere Kämpferin hatte es geschafft. Es war 17.44 Uhr und unser Baby war da! Tränen der Rührung und Freude ließen sich bei uns beiden nicht vermeiden.
Wie es sich gehört wurde das Kind dann zuerst auf dem Bauch der Mutter plaziert, dafür dürfte ich dann die Nabelschnur zertrennen. 4100 g Lebendgewicht verteilt auf 56 cm das waren die ersten technischen Daten. Birgit wurde dann noch kurz "verarztet" und in Windeseile mußten wir den Kreissaal räumen. Wir hatten noch nicht mal unsere Sachen greifen können, da wurde auch schon die nächste Frau hereingefahren. Es war ein stressiger Tag für die Ärzte und Schwestern der Maria-Heimsuchung. Wir möchten die Gelegenheit nutzen und der gesamten Belegschaft der Klinik für ihr Engagement und die freundliche Betreuung bedanken.
unsere Allison ist da
In jedem Fall war es eine einzigartige und wunderbare Erfahrung für uns beide. Ich kann nur jedem angehenden Vater empfehlen seiner Frau in den schweren Stunden zur Seite zu stehen und sie in den Kreissaal zu begleiten - Mann wird es nicht bereuen!
Birgit hatte kaum entbunden und schon war
sie fit genug für ausgiebige Telefonate
In den folgenden vier Tagen wurden Mutter und Kind, beide noch etwas geschwächt von der Geburt, auf der Wöchnerinnenstation betreut. Hier wurde das Kind auf Herz und Nieren gecheckt, Gott sei dank war alles in Ordnung. Außerdem konnte hier das ausgiebige Stillen geübt werden. Auch ich als Papa bekam hier eine erste Praxisanleitung für's wickeln und Windeln wechseln. Natürlich ließen auch die Besuche von Gratulanten nicht lange auf sich warten. Familie, Freunde und Kollegen gaben sich die Klinke in die Hand und am Ende des Aufenthaltes sah der kleine Tisch der mitten im Zimmer stand aus, wie das farbenprächtig dekorierte Schaufenster eines Blumenladens. Doch nachdem Birgit's "Mitbewohnerin" und deren Tochter Anna-Katharina Mitte der Woche aus dem gemeinsamen Zimmer ausgezogen waren, freuten sich Mutter und Kind dann riesig als sie am Wochenende endlich mit Papa nach hause durften.
Unten findet ihr noch eine paar Impressionen aus der Klinik von unserer süßen Kleinen.